Strom per Prepaid Karte – ein sinnvolles Konzept?

Die Energiewende hin zu einem vollständigen Verzicht auf Kernkraft wird teuer werden, das war von Anfang an klar. Aufschläge auf die Energiepreise werden aktuell, genutzt um regenerative Energie-Erzeugung per Solar, Windkraft oder Biomasse zu fördern. Jeder Deutsche zahlt dafür und die Kosten steigen je mehr dieser Energie auf den Markt kommen. Entsprechend steigen die Energiepreise Jahr für Jahr an.

Dazu kommen noch Sondereffekte wie die Verteilung der Kosten in erster Linie auf die privaten Verbraucher, denn die großen Unternehmen können sich von der EEG-Umlage befreien lassen. Die Hauptlast der Energiewende liegt daher im privaten Bereich und schon jetzt kommt es dazu, dass einige Haushalt mit den hohen Energiekosten überfordert sind.

Hohe Preise überfordern die Verbraucher

Gerade bei niedrigen monatlichem Einkommen kann es zu Probleme kommen. Neben Engiersparen setzt die Politik jetzt auch auf neue Formen der Abrechnung, um Strom wieder etwas billiger zu machen bzw. den Preisanstieg zu dämpfen. So hat sich die Koalition darauf geeinigt, im Energie-Bereich Prepaid Karten einzuführen, um die Abrechnung zu vereinfachen und Verbraucher dazu zu bringen, sorgfältiger mit Strom umzugehen. Im Koalitionsvertrag ließt sich das so:

Wir wollen Regelungen für einen besseren Schutz vor Strom- und Gassperren, zum

Beispiel durch den Einsatz von intelligenten Stromzählern mit Prepaid-Funktion.

Das Konzept der Prepaid Karte kennen die meisten Anbieter in erster Linie aus dem Mobilfunk-Bereich. Dort gibt es mittlerweile über 50 Anbieter, die Telefonieren und SMS schreiben nur per Vorauskasse anbieten (Überblick auf http://www.prepaider.com). Man lädt vorher Guthaben auf die Karte und kann dieses dann nutzen, ist kein Guthaben mehr vorhanden, kann auch nicht mehr telefoniert werden. Dieses Konzept sorgt für eine bessere Kostenkontrolle und erspart den Anbieter eine umfangreiche Rechnungs-Buchhaltung.

Schlechtes Image beim Prepaid Strom

Ob sich dies einfach so auf den Energie-Sektor übertragen lässt, ist allerdings fraglich. Strom gehört zu Grundversorgung und eine Stromsperre weil kein Guthaben mehr vorhanden ist, würde extrem stark in den Alltag und das Leben der Betroffenen eingreifen. Ein Leben ohne Handy ist durchaus möglich und manchmal sogar angenehm, ein Leben ohne Strom dagegen nicht. Ist kein Guthaben mehr da oder würde eventuell durch eine Abrechnungsfehler das Konto zu stark belastet, wäre es keine sinnvolle Option einfach keinen Strom mehr auszuliefern. Hier würde das Interesse der Kunden deutlich höher wiegen als bei einem normalen Handyvertrag bzw. einer Prepaid Karte im Mobilfunk-Bereich.

Dazu kommt, dass Strom per Vorauskasse mittlerweile einen schlechte Ruf hat. Durch die Insolvenz der Unternehmen Flexstrom und Löwenzahn Strom, die per Vorauskasse arbeiteten, sind viele Verbraucher vorsichtig geworden. Auch an dieser Stelle wird der Unterschied zum Mobilfunk deutlich. Während beim Handy in erster Linie kleine Beträge (10 bis 20 Euro) aufgeladen werden, sind es im Energiebereich oft mehrere hundert Euro die vorab überwiesen werden müssen. Bei einer Insolvenz des Unternehmens wäre die Summe, die man verliert also deutlich höher.

Aus diesem Grund ist die Idee eine Prepaidkarte für den Strom durchaus interessant,  ob sie sich in der Praxis aber durchsetzen wird, ist eher fraglich und hängt wohl auch von den Ideen der Unternehmen ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.